Mag. Michaela Neufeldt-Schoeller, Psychotherapeutin in Wien 18

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ist eine von der Psychoanalyse abgeleitete psychotherapeutische Methode. Beide Therapiekonzepte beruhen auf der psychoanalytischen Persönlichkeitstheorie und auf der Vorstellung, dass frühe Ereignisse in der Lebensgeschichte die Persönlichkeit prägen, dass sie entscheidend für das aktuelle Erleben und Verhalten sind. Beide arbeiten mit den Begriffen der Psychodynamik: dem Bewussten, dem Unbewussten und der Verdrängung, durch die Bewusstseinsinhalte ins Unbewusste verschoben werden. Beide sehen in der – allerdings etwas unterschiedlich aufgefassten – Interaktion mit dem Therapeuten den Schlüssel zur Heilung.

Psychoanalyse – eine Reise zu den Wurzeln des Ichs

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und Psychoanalyse unterscheiden sich andererseits nicht unwesentlich – im sogenannten Setting, in der therapeutischen Zielsetzung und entsprechend auch in den Methoden, die zum Ziel führen sollen.

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ist eine von der Psychoanalyse abgeleitete psychotherapeutische Methode, die auf der Vorstellung beruht, dass Ereignisse im früheren Leben die Persönlichkeit prägen. Foto: © ankiro, Fotolia.com

Der erste, ins Auge fallende Unterschied liegt im Setting, in den Rahmenbedingungen. Bei einer Psychoanalyse liegen Sie auf der sprichwörtlich gewordenen Couch, der Therapeut sitzt ungesehen hinter Ihnen. Bei der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie sitzen wir einander in selbst gewählten Positionen gegenüber. Das sagt direkt etwas über den Charakter der beiden Unternehmungen aus. In der klassischen Psychoanalyse werden Sie sozusagen nicht “eingeweiht”. Der Therapeut reflektiert den Therapieverlauf Ihnen gegenüber prinzipiell nicht, Sie lernen Ihn als Persönlichkeit nicht kennen, er bleibt vollkommen gewollt “nur” Projektionsfläche für Ihre Vorstellungen und Emotionen, “nur” Lieferant wohldosierter therapeutischer Interventionen.

In einer Psychoanalyse werden keine Ziele gesteckt, keine Gesprächsstrukturen vorgegeben. Es geht darum, dass Sie nach und nach, vom Analytiker sparsam begleitet, nicht mehr und nicht weniger als Ihre gesamte persönliche Geschichte und deren zunächst verborgene Sinnzusammenhänge bewusst wiedererleben. Alle während dieser inneren Reise auftretenden Phänomene – Regression in bereits überwundene emotionale Zustände, Übertragung von Gefühlen gegenüber früheren Bezugspersonen auf den Analytiker, im Analytiker im Zuge der sogenannten Gegenübertragung geweckte Gefühle gegenüber dem Patienten – werden uneingeschränkt zugelassen und dienen als Material für die Analyse.

Während einer Psychoanalyse wird darauf vertraut, dass sich durch unstrukturierte freie Assoziation – und nur so – nach und nach alle relevanten Themen selbst zur Sprache bringen. So kann sich eine klassische Psychoanalyse über Jahre hinziehen, sie kann zwischenzeitlich festgefahren, zerfasert oder ziellos wirken. Eine Psychoanalyse ist ein schon fast episches Unternehmen, das allein zeitlich kaum mehr zu den Lebensumständen vieler beruflich und familiär eingespannter Menschen passt.

Was können Sie dagegen von der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie erwarten?

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie – die unorthodoxe Schwester der Psychoanalyse

Man kann in der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie eine Art gestraffte, demokratisierte und modernisierte Form der Psychoanalyse sehen. Aber die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ist nicht orthodox: Was hilft und wirkt, ist hier erlaubt. Das bedeutet zum Beispiel, dass sich der Therapeut bei dieser Therapieform viel weniger “bedeckt” hält. Ich kann durchaus auch aus meiner Rolle treten und Ihnen den Verlauf der Therapie transparent machen, und ich bin in der Wahl der Methoden, die ich in die Therapie integrieren möchte, sehr flexibel.

Entsprechend können Sie von der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie eine klare Zielstellung erwarten, die sich an der Überwindung aktueller Probleme und Krisen orientiert. Sie können ein konfliktzentriertes Therapiegeschehen erwarten, das sich auf Ihr Erleben Ihres gegenwärtigen Alltags und Ihrer aktuellen Beziehungen konzentriert, gezielt nach den Wurzeln von gestörtem Erleben in Ihrer persönlichen Geschichte sucht und diese konkreten Konflikte analysiert und aufarbeitet.

Und Sie können eine Therapeutin erwarten, die Ihnen als erfahrbare Person gegenübersitzt und der neben den klassischen psychoanalytischen Instrumenten der Klarifikation, Konfrontation und Deutung grundsätzlich das gesamte Spektrum psychologischer und kommunikativer Möglichkeiten zur Verfügung steht – von der richtigen Frage über die Meinung bis zur expliziten Empfehlung, von Visualisierungen und anderen imaginativen Techniken über Anleihen aus der kognitiven Verhaltenstherapie bis hin zu körpertherapeutischen Verfahren.

Transparent und ergebnisorientiert zu einem neuen Umgang mit Problemen finden

Kurz: Sie können einen transparenten psychotherapeutischen Prozess erwarten, den Sie bewusst mitgestalten und der Sie ohne unnötige Umwege zum Ziel führt: der Einsicht in die Konflikte, die Ihren aktuellen Krisen und Problemen zugrunde liegen, und dem veränderten, produktiveren Umgang mit diesen. Während für eine Psychoanalyse bis zu 400 Stunden und bis zu vier wöchentliche Termine veranschlagt werden, dauert eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie etwa 50 bis 100 Stunden. Bei einer wöchentlichen Therapiesitzung können Sie mit dieser Therapieform also meist schon in einem Jahr Wesentliches erreichen.