Mag. Michaela Neufeldt-Schoeller, Psychotherapeutin in Wien 18

Verhaltenstherapie

In der Verhaltenstherapie geht es in erster Linie um das Bewusstmachen und Korrigieren dysfunktionaler Handlungs- und Denkmuster und erst in zweiter Linie – wenn überhaupt – um das Verständnis ihrer Ursachen. Warum diese Muster erlernt wurden, welche Konflikte ihnen zugrunde liegen und was sie möglicherweise symbolisieren, gilt als wenig relevant für die Möglichkeit ihrer Korrektur. Die erlernten Verhaltens- und Erlebensweisen sollen verlernt werden, die sie aufrechterhaltenden Regelkreise „de-programmiert” und durch angemessenere, funktionalere ersetzt werden. Dafür stehen viele Methoden der Verhaltensmodifikation durch (Re-)Konditionierung, Erlernen von Strategien zur Problemlösung oder Korrektur der das Verhalten motivierenden Bewertungen und Überzeugungen zur Verfügung.

Grundlagen der Verhaltenstherapie

Die Grundlagen der Verhaltenstherapie wurden in den 1920er Jahren gelegt, als für viele Intellektuelle die Faszination an den Mysterien und Verstrickungen des Inneren abgelöst wurde von neuen Ideen, wie sich das Zusammenleben der Menschen auf rationalen Grundlagen in einer humanistisch durchgeplanten Gesellschaft neu und besser gestalten ließe. Auch diese intellektuelle Mode ging vorbei – das Begreifen von Verhalten als erlernt, und damit auch als verlernbar und neu lernbar, und das von Ivan Pavlov eingeführte Prinzip der Konditionierung aber wurden in den 1950er Jahren von B.F.Skinner, Joseph Wolpe und Hans Eysenck aufgegriffen und zum sogenannten Behaviorismus ausgearbeitet. In den1960er und 1970er Jahren entwickelten Aaron T. Beck und Albert Ellis ihre kognitive Verhaltenstherapie, die die Wahrnehmungen und Überzeugungen anspricht, die das Verhalten bestimmen. Obwohl ebenfalls verhaltenstherapeutisch ausgerichtet, verstand die kognitive Methode sich als eine Art Gegenentwurf zum Konzept der Psyche als „Black Box” der Behavioristen.

Klischeehafte Bilder der Verhaltenstherapie beinhalten oft Vorstellungen von den in Kubricks „A Clockwork Orange” karikierten Maßnahmen zur Dekonditionierung oder extreme Ausprägungen der heute technokratisch unterkühlt und simplifiziert anmutenden radikalen Behaviorismus-Theorie von Skinner. Die moderne Verhaltenstherapie aber ist ein zeitgemäßes, effizientes Verfahren, das in die Analyse des Verhaltens durchaus auch Empfindungen und Gedanken einbezieht und der Beziehung zwischen Patient und Therapeut große Bedeutung beimisst.

Wann kann eine Verhaltenstherapie sinnvoll sein?

Gerade für eng umrissene Störungen wie Phobien oder Zwänge – und für Menschen, die sich in ihrer Lebendigkeit und Lebenszufriedenheit jenseits dieser Störungen wenig beeinträchtigt fühlen, die keine Zeit oder kein Interesse haben, gewissermaßen in die Katakomben ihrer Persönlichkeit hinabzusteigen – ist die Verhaltenstherapie eine sinnvolle und ökonomische Wahl.