Mag. Michaela Neufeldt-Schoeller, Psychotherapeutin in Wien 18

Ablöseprobleme – Wenn Wertvorstellungen einengen und behindern

Die Begriffe Ablöseproblem und Trennungsproblem liegen nur scheinbar diametral gegenüber.

Die Schwierigkeit der Ablösung von der phantasierten Macht der wichtigen Bezugspersonen aus der Herkunftsfamilie, der Eltern, gründet, ebenso wie die Verlustangst bei der Trennung vom bisherigen Lebenspartner, auf dem menschlichen Bedürfnis nach Liebe, Loyalität und Zugehörigkeit.

Eltern können ihren Kindern „Glaubenssätze“ einimpfen, die, werden sie nicht hinterfragt und abgelegt, für das ganze spätere Leben eine einschränkende und hemmende Wirkung ausüben können.

Solche Glaubenssätze sind beispielsweise:

„Du bist eine Enttäuschung für mich!“
„Ohne mich bist du gar nichts!“
„Du darfst keine Freude empfinden, weil es mir selbst nicht gut geht!“
„Du bist nichts wert!“

Aus Liebe, Loyalität und dem Wunsch nach Zugehörigkeit übernimmt das Kind diese gefühlten „Wahrheiten“ schließlich in die eigene Wertewelt, um so die Beziehung zum Elternteil aufrecht erhalten zu können. Diese „Identifikation mit dem Aggressor“ sichert durch Akzeptanz der Entwertungen wenigstens ein bisschen Nähe.

Da die Empörung über die Ungerechtigkeit also nicht ausreichend gespürt werden darf, richtet man die Wut, statt nach außen, gegen sich selbst und durch diese Selbstentwertung entstehen Depressionen.

In den späteren Partnerschaften ist der Mechanismus ähnlich.
Über Jahre hat man in der Beziehung viel erduldet, sich zurückgenommen und wird nun weggeschickt. Wieder werden die verinnerlichten Glaubenssätze aktiv und man hält sich für alleine gar nicht mehr lebensfähig.

Auch wenn der Erwachsene rein intellektuell weiß, dass diese Annahmen so nicht richtig sein können, entfalten sie doch ihre innerseelische Wirkung.

In der Therapie besteht die Möglichkeit, in einem geschützten Rahmen korrigierende Erfahrungen zu machen, um sie danach in der Außenwelt anzuwenden und zu vertiefen.