Mag. Michaela Neufeldt-Schoeller, Psychotherapeutin in Wien 18

Hilfe bei Depressionen / Therapie einer Depression

In Hinblick auf das Krankheitsbild der Depression (und die Ausbreitung von Depressionen in der Gesellschaft) ist es eigentlich doch erstaunlich, wie vielen Menschen es angesichts unserer objektiv wenig hoffnungsvollen Welt so ausgesprochen gut geht. Der Gedanke an das Altern und den unvermeidlichen Verfall, an den beklagenswerten Zustand der Umwelt, an das schreckliche Elend, das nicht nur in fernen Ländern, sondern oft direkt vor der eigenen Haustür existiert – oder die vielen Stunden Lebenszeit, die wir mit Tätigkeiten vergeuden, die uns nichts bedeuten oder die wir sogar verabscheuen, unser Leben, das in vielerlei Hinsicht so weit entfernt ist von dem, was wir uns erträumen, das Misslingen von Beziehungen, das Scheitern von Plänen, unwiederbringliche Verluste – im Leben jedes Menschen gibt es mehr als genug Gründe zum Traurigsein oder für eine ausgewachsene Depression. Trotzdem siegt im Allgemeinen die Lebendigkeit: Die Anforderungen des Alltags, die kleinen und größeren täglichen Freuden und Genüsse, das Eingebundensein in den großen Kreis des Existierenden reichen oft genug aus, um uns wieder mitten ins Leben hinein- und aus der Depression herauszuziehen.

Volkskrankheit Depression
Depressionen als Volkskrankheit einer leistungsorientierten Gesellschaft (Foto © Alexander Beliaev, Fotolia.com)

Wenn das allerdings nicht der Fall ist, wenn die Niedergeschlagenheit immer mehr Raum einnimmt und der Grauschleier über den Tagen sich nur noch selten oder gar nicht mehr hebt, leiden Sie wahrscheinlich an einer Depression und benötigen Hilfe. Damit wären Sie nicht allein: Laut Statistik erleben etwa jede vierte Frau und jeder achte Mann mindestens einmal in ihrem Leben eine depressive Episode. Aufgrund ihrer psychischen und hormonellen Organisation neigen Frauen tatsächlich eher zu Depressionen als Männer. Sie werden aber auch deshalb häufiger diagnostiziert, weil sie offener mit ihrem Leiden umgehen und eher Hilfe suchen.

Depression ist eine Krankheit

So überzeugend Sie die Gründe für Ihre Bedrücktheit auch persönlich finden mögen: Sie müssen sich nicht so fühlen. Die Depression ist eine Krankheit und als solche gut behandelbar. Eine Depression zu behandeln – Hilfe bei Depression – bedeutet übrigens nicht, dass man Sie zwingen möchte, alles Traurige in Ihrem Leben zu vergessen oder zu verdrängen, es bedeutet nicht, dass Sie sich nun in eine Person verwandeln sollen, die Sie nicht sind. Die Behandlung einer Depression zielt einfach darauf ab, dass Sie sich wieder lebendig fühlen – dass das Leben mit allen seinen Anlässen für Trauer, Freude, Ärger, Wut, Begeisterung oder Verwunderung Sie wieder wirklich erreichen kann.

Tiefe Niedergeschlagenheit, Lustlosigkeit, geradezu Ekel vor den wiederkehrenden alltäglichen Anforderungen, das Unvermögen, sich zu irgendetwas aufzuraffen, eine düstere Sicht auf Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit, hoffnungslose Grübeleien und ein Gefühl von Wertlosigkeit – wenn dieser finstere Blick auf das Leben länger als zwei Wochen anhält, liegt bei Ausschluss körperlicher Erkrankungen sehr wahrscheinlich eine Depression vor. Holen Sie sich Hilfe! Eine Psychotherapie kann Ihnen Wege aus der scheinbaren Ausweglosigkeit öffnen.

Gedanken zu den Ursachen von Depressionen

Zur Entstehung von Depressionen gibt es mehrere Theorien. Da die bedrückte Stimmungslage der direkte Ausdruck einer Störung des Gleichgewichts der stimmungsregulierenden Neurotransmitter im Gehirn ist, liegt es in der modernen, materialistischen Sichtweise nahe, eine einfache, organische Ursache der Depression zu vermuten.

Organische Ursachen depressiver Störungen

Eine genetische Veranlagung, hormonelle Schwankungen während Schwangerschaft und Wochenbett oder in den Wechseljahren und sogar Lichtmangel (Auslöser der saisonalen Herbst- und Winterdepression) sind heute anerkannte Erklärungsansätze für depressive Störungen. Aus diesen Erklärungsansätzen folgt die Behandlung der Depression mit dem, was offenkundig fehlt: Licht, Hormone oder stimmungsaufhellende Neurotransmitter. Moderne Antidepressiva erhöhen den Spiegel der Stimmungsheber Serotonin und Noradrenalin im Gehirn.

Eine familiäre Häufung von Depressionen kann ein Hinweis auf die direkte Erblichkeit der Störung sein – aber auch darauf, dass in solchen Familien das Leiden der Eltern auf andere Weise an die Kinder weitergereicht wird. Die psychoanalytische Neurosentheorie und das Kognitionsmodell nach Aaron Beck setzen hier an.

… oder Wurzeln in der persönlichen Geschichte?

Depressionen sind druch Therapie heilbar
Depressionen kann man durch eine Therapie gut in den Griff kriegen (Foto: © Marcel Sarközi, Fotolia.com)

Einer Depression liegt aus psychoanalytischer Sicht eine gegen das Selbst und seine Bedürfnisse gerichtete Aggression zugrunde. Das Kind erlebt sich als verantwortlich für das Glück der Eltern und sieht sich angesichts dieser erdrückenden Last gezwungen, seine eigene Lebendigkeit weitgehend auszumerzen (siehe hierzu den Beitrag „Depressive Kinder„). Der verdrängte Konflikt zwischen den eigenen Lebensbedürfnissen und denen der Eltern zieht sich als Motiv durch das spätere Leben: Eigene Bedürfnisse werden nicht gespürt, alles dreht sich um das Erfüllen von Erwartungen. Die dumpfe Empfindung, nicht das eigene Leben zu leben, schlägt leicht in Gefühle der Hoffnungslosigkeit um.

Die tiefenpsychologische Transaktionsanalyse sieht die Wurzeln der Depression ebenfalls in der Kindheit. Der Fokus liegt hier auf dem Wie: Wie setzen sich die in der Kindheit erworbenen Denk- und Verhaltensmuster im Hier und Jetzt immer wieder durch – und, wenn wir an Hilfe bei Depressionen denken, wie lassen sich diese Muster durchbrechen? Als Menschen neigen wir zu verallgemeinerndem Denken: Unser Gehirn ist dafür gemacht, Muster in allem zu erkennen, Schlüsse zu ziehen und möglichst breit anzuwenden. Wenn wir immer wieder neu und ohne vorgefasste Urteile an alles und jeden herangingen, wären wir seltsame Heilige, die den normalen Alltag kaum meistern könnten. Noch mehr gilt das für das kindliche Denken – ohne Verabsolutierungen, ohne Schwarz-Weiß-Sehen könnten sich Kinder in der für sie neuen und fremden Welt kaum bewegen.

So kommt es aber auch, dass sich an den begrenzten Erfahrungen der Kindheit stabile kognitive Verarbeitungsmuster herausbilden, die später selbst wider besseres Wissen den erwachsenen Blick auf eine viel größer gewordene Welt bestimmen. Wer sich als Kind in der Beziehung mit den Eltern als hilflos, unfähig und wertlos erleben musste, nimmt die daraus abgeleiteten Denk- und Verhaltensmuster mit ins erwachsene Leben. Am Grunde solcher Kognitionen muss nicht unbedingt eine offensichtlich verächtliche Einstellung der Eltern gegenüber ihrem Kind stehen. Auch eine überbehütende Haltung – hier gehen Eltern zwar davon aus, dass ihre Kinder allein überhaupt nichts Vernünftiges zustande bringen, wollen ihnen aber keineswegs bewusst Gefühle der Wertlosigkeit einimpfen – kann ähnliche Effekte haben.

Hilfe bei Depressionen durch Therapie

In dem Witz über den Biologen, den Physiker und den Mathematiker, die mit der Eisenbahn durch Schottland fahren und auf einer Weide ein schwarzes Schaf sehen, schlussfolgert der Biologe, dass in Schottland alle Schafe schwarz sind, der Physiker, dass es in Schottland ein schwarzes Schaf gibt – und der Mathematiker, dass in Schottland ein Schaf existiert, das auf einer Seite schwarz ist. Was die Tiefenpsychologische Transaktionsanalyse – grob gesagt – bei einer Depression für Sie tun kann, ist, Ihnen zu helfen, wenn schon nicht wie der Mathematiker, so doch immerhin wie der Physiker zu denken. Sie lernen, negative Erlebnisse als das zu nehmen, was sie sind – und nicht als Indikatoren für das Wirken allgemeiner, finsterer Gesetze, die Ihr Leben unausweichlich beherrschen.

Im therapeutischen Gespräch finden wir heraus, wo eventuell negative Schemata, vorgefasste Urteile und erlernte Hilflosigkeit Ihre aktive Teilnahme am Leben und Ihre freie Sicht auf Ihr Selbst und die Welt blockieren – und wo diese Muster ihren Ursprung haben. Es wird um Ihre echten Bedürfnisse gehen, die Sie wieder ins Leben hineinziehen können – und um die Erprobung neuer Sicht- und Verhaltensweisen, die nicht mehr auf Ihr trauriges, ängstliches Kind-Ich, sondern auf Ihr selbstbestimmtes Erwachsenen-Ich zugeschnitten sind.


 

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