Mag. Michaela Neufeldt-Schoeller, Psychotherapeutin in Wien 18

Hilfe und Therapie bei Burnout - Erschöpfungsdepressionen verhindern und behandeln

Jede Zeit hat ihre typischen psychischen Leiden. Burnout oder das Burnout-Syndrom – dank Medienhype heute in aller Munde – ist auf dem besten Weg, zu einem der definierenden Krankheitsbilder der modernen westlichen Gesellschaft zu werden. Einfach nicht mehr zu können, das eigene Selbst vollkommen im Dienste einer nicht mehr als sinnstiftend wahrgenommenen Tätigkeit aufzureiben, das wahrgenommene Missverhältnis von extremer Verausgabung (siehe hierzu das Posting „Wenn die Arbeit zur Sucht wird„) und magerer Belohnung nicht mehr aushalten zu können – diese Beschreibungen eines Problems finden in vielen von uns einen psychischen Widerhall. Wir fühlen uns durch das Wort Burnout-Syndrom verstanden und beschrieben.

Modediagnose Burnout-Syndrom – wissenschaftlich wenig solide

Aber wie so oft, wenn sich alle einig sind, wird nicht mehr hinterfragt. Dass das Burnout-Syndrom bis heute im internationalen Diagnosekompendium ICD der Weltgesundheitsorganisation nicht als Erkrankung auftaucht, liegt nicht am Unwillen der Mediziner, sich mit den Ausgebrannten und ihren Leiden zu befassen. Tatsächlich wird um eine allgemeingültige Definition und verbindliche Diagnosekriterien der Erkrankung in der Fachwelt immer noch gerungen.

Ist Burnout ein Problem der Arbeitswelt – sind die Arbeitsbedingungen in den White-Collar-Berufen unserer Gesellschaft wirklich so schrecklich, die materiellen und seelischen Belohnungen wirklich so unangemessen klein, dass eine objektiv extreme psychische Dauerbelastung daraus resultiert? Oder “verstecken” sich hinter der Bezeichnung Burnout eher individuelle psychische Probleme, die das Umgehen mit anspruchsvollen, aber objektiv nicht unzumutbaren Belastungen erschweren?

Burnout lässt sich in vielen Fällen als Erschöpfungsdepression verstehen

Burnout als Erschöpfungsdepression verstehen
Das Wort „Erschöpfungsdepression“ ist einiges sperriger als das Modewort „Burnout-Synrom“ (Foto © ankiro, Fotolia.com)

Ich vertrete die Auffassung, dass Burnout und das sogenannte Burnout-Syndrom in sehr vielen Fällen als Erschöpfungsdepression aufgefasst und verstanden werden kann. Natürlich könnte man meinen, es sei relativ gleichgültig, welcher Name gewählt wird, um das Gefühl des totalen körperlichen und seelischen Ausgebranntseins zu bezeichnen. Aber in der Benennung mit dem Begriff Erschöpfungsdepression wird Burnout auf die Depression – ein wohl bekanntes und gut untersuchtes Krankheitsbild – zurückgeführt. Hier schwingt auch bereits eine Hypothese über den Ursprung des Leidens in der persönlichen Lebensgeschichte mit – und damit ein Erfolg versprechender Behandlungsansatz.

Das Modewort Burnout-Syndrom hat sich eventuell auch deshalb so umfassend durchgesetzt, weil der bildhafte Begriff die psychischen und psychosomatischen Symptome in erster Linie als eine Reaktion auf etwas Äußeres deutet. In der Vorstellung, unter den (Mehrfach-)Belastungen von Arbeit, Kindererziehung oder Angehörigenpflege ausgebrannt zu sein, steckt nichts besonders Kompliziertes, nichts Ambivalentes, nichts, was eventuell die Vorstellung vom eigenen Selbst ankratzen könnte.

Dagegen ist der Begriff Erschöpfungsdepression um einiges sperriger. Darin steckt die Depression, ein psychisches Leiden, das, so scheint es manchmal, um Menschen, denen es objektiv richtig schlecht geht, sogar eher einen Bogen macht. Ein Leiden, das nach der psychoanalytischen Auffassung seine Wurzeln in der frühen Kindheit hat, das aber heute oft auch als zumindest in der Veranlagung erblich gedeutet wird. Ein Leiden, das die Quellen psychischer Energie zum Versiegen bringt. In dieser Sichtweise ist die Erschöpfung durch den oft arbeitsbedingten Stress zwar der Auslöser, aber niemals die tiefere Ursache der Symptome.

Wurzeln der Depression

Wie jede neurotische Störung wurzelt auch die Depression aus psychoanalytischer Sicht in einem gestörten Haushalt psychischer Energien. Die Ursache dieser Störungen wiederum wird meist in der Kindheit gesucht. Hier erfuhr das Kind von den Eltern wenig Bestätigung in seiner eigenen Lebendigkeit, erlebte sich vielmehr als verantwortlich für das Glück von Mutter und Vater. Egal, ob die Eltern zu ihrem eigenen Glück ein ungezwungenes Naturkind brauchten, ein fleißiges Bienchen oder einen kleinen intellektuellen Überflieger – die Wunschvorstellung wurde dem abhängigen Kind aufgezwungen, der Blick auf den kleinen Menschen dahinter blieb verstellt.

An die Stelle eines deutlichen Gespürs für die eigenen Bedürfnisse, das in einem gesunden Wechselspiel mit der Sensibilität für die Ansprüche anderer steht, tritt beim Depressiven das Erfüllen von Erwartungen als oberstes Lebensprinzip. Wer depressiv veranlagt ist, dem fehlt die psychische Energie, einen inneren Bereich gegen Anforderungen der Außenwelt abzugrenzen. Der Mangel an verinnerlichten Erfahrungen von Anerkennung, von Richtig-Sein leistet Gefühlen von Ausgenutzt-werden und eigener Wertlosigkeit Vorschub.

Burnout-Symptome als Depressionszeichen deuten

Burnout und Depression sind einander sehr ähnlich
Typische Burnout-Symptome wie extremer Antriebsmangel, Schlaflosigkeit, innere Leere etc. sind zugleich Charakteristika einer Depression… (Foto © Konrad Fotodesign, Fotolia.com)

Wir bauen unsere Persönlichkeit mit dem, was uns zur Verfügung steht und finden äußere Kompensationen für das, was uns innerlich vielleicht fehlt. Diese faszinierende Leistung der Psyche kann gar nicht genug bewundert werden. Den psychisch ideal gesunden Menschen gibt es so gut wie nie, und so ist auch eine gewisse depressive Veranlagung nur eine Spielart des Normalen und nicht unbedingt in jedem Fall behandlungsbedürftig. Oft sorgt unter anderem eine anspruchsvolle selbst gesuchte Lebensaufgabe dafür, die inneren Konflikte in Schach zu halten.

Auch depressiv veranlagte Menschen können echte Erfüllung im Berufs- und/oder im Familienleben finden. Ihre innere Struktur birgt allerdings das Risiko seelischer Überforderung durch die Ansprüche von Berufsleben oder Elternschaft. Wer nicht – oder nicht in genügendem Maße – auf innere Kraftquellen zurückgreifen kann, wem die innere Abgrenzung nicht gut gelingt, der fühlt sich durch äußere Anforderungen schnell überflutet und innerlich ausgelaugt. Die typischen Burnout-Symptome – Gefühle von innerer Leere, extremer Antriebsmangel und psychosomatische Beschwerden wie Schlaflosigkeit, Magen-Darm-Probleme, Kopf- und Rückenschmerzen – sind gleichzeitig charakteristische Anzeichen einer Depression. Sie lassen sich oft als Ausdruck des verdrängten inneren Konflikts zwischen kindlicher Lebendigkeit und elterlichen Erwartungen verstehen.

Erschöpfungsdepression wirksam therapieren, Burnout verhindern

Sich zu einer Erschöpfungsdepression zu bekennen ist gerade für Menschen, die sich bisher als aktive, kompetente Macherpersönlichkeiten oder Führungskräfte verstanden, etwas schwerer, als am modischen Burnout zu leiden. Offensichtlich geht es aber bei diesem kleinen Paradigmenwechsel nicht darum, das Leiden kleinzureden oder den Erkrankten irgendeine Form von “Schuld” an ihrem Zustand zuzuweisen. Es geht darum, den Tatsachen ins Auge zu sehen und Betroffenen wirksame Hilfe zu verschaffen.

Gut gemeinte Ratschläge zum Kürzertreten, Urlaub machen oder verhaltenstherapeutische Methoden, die bei der Stressbewältigung helfen sollen, sind allein nicht die geeigneten Instrumente zur Behandlung einer Erschöpfungsdepression.

Die Ruhe, die Sie zweifellos brauchen, sollten Sie unter anderem unbedingt auch für die innere Reflexion, die Suche nach den tieferen Ursachen Ihres Ausgebranntseins nutzen. Nehmen Sie professionelle Hilfe in Anspruch! Im Rahmen einer psychotherapeutischen Gesprächstherapie gehen wir gemeinsam Ihren Problemen auf den Grund, arbeiten an Verhaltens- und Denkstrategien ebenso wie an einem soliden inneren Rückzugsort, der Ihr inneres Selbst in Zukunft vor der Überschwemmung durch äußere Anforderungen schützt.


 

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