Mag. Michaela Neufeldt-Schoeller, Psychotherapeutin in Wien 18

Therapie von Angst – Hilfe bei Ängsten

Mit dem satirischen Darwin Award wird seit 1994 posthum geehrt, wer seinem Leben auf ganz besonders dämliche Weise vorzeitig ein Ende setzt. Die Annalen des Preises sind ein Sammelsurium tragikomischer Fehleinschätzungen. Scheinbar angstfrei probierten die “Preisträger” ihre frisch erworbenen Kung Fu-Fähigkeiten im Löwengehege aus, bastelten Feuerwerkskörper aus Handgranaten oder versuchten, nahende Schnellzüge mit der Kraft ihrer Gedanken zu stoppen.

Angst ist ein Werkzeug des Überlebens

Normalerweise ist unser Verstand gut darin, mögliche Bedrohungen unserer Sicherheit zu identifizieren – sonst hätten wir es als Spezies nicht so weit gebracht. Wer keine Angst empfindet, läuft Gefahr, sich blindlings aus dem Genpool der Menschheit zu entfernen – siehe oben. Daher sind Sorge – das intellektuelle Wissen um eine Gefahr – und Angst – ihr körperlicher Ausdruck, der auf schnelle Veränderung der angstauslösenden Situation drängt – normale, sehr sinnvolle Bestandteile des Lebens.

Sorgen und Angst sind Ergebnisse eines Evolutionsprozesses, der die bevorzugte, die phantasiebegabt genug waren, hinter dem Rascheln im Gebüsch ein gefährliches Tier zu vermuten, und ängstlich genug, es nicht auf eine Konfrontation ankommen zu lassen.

Angst, die am Leben hindert

Angst kann aber auch lähmen. Dass rund 5 Prozent der Männer und rund 13 Prozent der Frauen in europäischen Ländern durch eine sogenannte Angststörung in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und ihrem Lebensgenuss zumindest zeitweise stark eingeschränkt sind, liegt sicher nicht zuletzt daran, dass unsere Fähigkeit, Angst zu empfinden, so hoch entwickelt ist.

Unser Leben spielt sich vor dem Hintergrund des Wissens um die (relative) Fragilität unserer Körper, um unsere Endlichkeit als Menschen ab – und dieses Wissen ist die Quelle der existenziellen Angst, mit der wir bereits in der Kindheit umgehen lernen müssen. Das schafft nicht jeder gleich gut.

Der überwältigenden Plausibilität von Existenzangst souverän zu begegnen – dazu gehört schon eine Portion Draufgängertum, die nicht jedem Menschen zur Verfügung steht. Hier spielt also zweifellos Veranlagung eine Rolle. Aber auch, wenn die Kindheit von Unsicherheit, vielleicht von Verlusten geprägt ist, wenn eine konkrete Bestätigung der zunächst recht abstrakten frühen Existenzangst im Bereich des Möglichen liegt, gelingt es oft weniger gut, der Angst einen wohl abgesteckten psychischen Bereich zuzuweisen. Auch andere Ängste, wie die Angst vor Bestrafung oder die Angst vor dem Verlassenwerden, spielten in der Kindheit von Angststörungen Betroffener oft eine besonders akute Rolle.

Zu den Angststörungen gehören die generalisierte Angststörung, die Panikstörung, Phobien und soziale Ängste. In der generalisierten Angststörung, so könnte man sagen, liegt die Existenzangst in ihrer reinsten Form vor. Bei den anderen Angststörungen heftet sich die Angst an bestimmte Umstände oder konkrete Objekte, beziehungsweise tritt nur anfallsweise auf.

Medien schüren Ängste

Interessanterweise ist auch unsere Gesellschaft relativ angstfixiert. Zwar leben wir heute besser, sicherer, vielleicht sogar gesünder denn je – in den Medien ist davon aber wenig zu spüren. Kriminalität, Gesundheitsrisiken, Umweltkatastrophen, Datensicherheitslücken und andere angstbesetzte Bedrohungsszenarien nehmen in ihrer Berichterstattung oft einen weit größeren Raum ein als im täglichen Leben.

Dagegen ist nicht viel zu sagen – schließlich ist es die Aufgabe der Medien, uns auch über Dinge zu informieren, zu denen wir im Alltag keinen unmittelbaren Zugang haben. So werden aber auch Menschen, die zum Beunruhigtsein, zu Sorgen und Ängsten neigen, mit überreichlich Stoff für ihre Grübeleien versorgt. Der Autoritätsstempel journalistischer Berichterstattung macht es um so schwerer, die gut informierte Besorgnis als übertriebenes Hirngespinst abzutun.

Die generalisierte Angststörung

Wer an einer sogenannten generalisierten Angststörung leidet, wird ständig von innerer Unruhe gequält. Die Phantasie arbeitet auf Hochtouren – schließlich können sich Unglücksszenarien aus den alltäglichsten Situationen entwickeln. Ängste kreisen um die Gesundheit und Unversehrtheit von Angehörigen, die eigene Gesundheit und Sicherheit, den möglichen Verlust von Arbeit oder sozialer Stellung. Gefürchtet werden schließlich auch die negativen gesundheitlichen Auswirkungen der Angstzustände.

Das ganze Leben scheint auf schwankendem Grund zu stehen, der jeden Moment nachgeben und alles mit sich reißen kann. Auch wenn diese Ängste vielleicht intellektuell als unangemessen oder übertrieben begriffen werden können, ist es doch unmöglich, sich ihrem Sog zu entziehen. Um angstauslösende Situationen zu meiden, wird der eigene Aktionsradius oft stark eingeengt, soziale Isolation in Kauf genommen.

Die körperlichen Symptome der Angst, die von Unbehagen, Herzklopfen, Schweißausbrüchen, Schlaflosigkeit durch nächtliche Grübeleien bis hin zu schweren Magen-Darm-Problemen und chronischen Schmerzen reichen, spielen bei Angststörungen ebenfalls eine große Rolle. Oft werden hier Krankheiten als Ursache vermutet, was wiederum Anlass zu neuen Ängsten gibt. Zu allem gesellt sich die Scham, nicht leistungsfähig, nicht belastbar genug zu sein. Kein Wunder, dass eine generalisierte Angststörung oft auch eine Depression nach sich zieht.

Hilfe und Therapie bei Ängsten

Aus dem Teufelskreis einer generalisierten Angststörung können Sie mit professioneller Hilfe ausbrechen. Ängste können mit tiefenpsychologisch orientierten Therapien oder verhaltenstherapeutischen Verfahren bearbeitet werden.

In der von mir angebotenen tiefenpsychologisch orientierten Therapie gehen Sie den Ursachen Ihrer Ängste auf den Grund. Sie begeben sich auf eine innere Reise in Ihre Kindheit und arbeiten mit gemeinsam mit mir daran, die noch aus dieser Zeit stammenden offenen Wunden zu schließen, fehlgeleitete Bewältigungsversuche zu korrigieren, ungelöste Konflikte zu einem friedlichen Abschluss zu bringen und so dem Kind in Ihrem Inneren Sicherheit zu geben. Eine solche Therapie ist spannend, vergleichsweise langwierig und kann eigentlich nur als ein Unternehmen mit offenem Ende beschrieben werden.

Eine Verhaltenstherapie ist an den konkreten Symptomen orientiert. Gerade bei Angststörungen werden mit kognitiver Verhaltenstherapie in relativ kurzer Zeit gute Ergebnisse erzielt. Hier geht es unter anderem darum, an den sogenannten Kognitionen zu arbeiten: Gespräche mit dem Therapeuten thematisieren verzerrte Bilder, verselbstständigte, möglicherweise unangemessene Urteile über die Welt. Sie selbst machen sich diese automatisch gedachten “Vorurteile” und Ihre sich daraus ergebenden Verhaltensweisen bewusst, stecken sich Ziele für den Alltag, werden beim Lösen von Problemen aktiv und gelangen so zu einem realistischeren, weniger belastenden Umgang mit Ihren Ängsten.

Sie leiden unter Ängsten, die Sie selbst als übertrieben empfinden, aber nicht zum Schweigen bringen können? Liegen Sie nachts oft wach und grübeln? Bereiten Ihnen Ihre körperlichen Angstsymptome Sorgen? Gehen Sie den ersten Schritt auf dem Weg zu einem gesünderen Umgang mit Ängsten und vereinbaren Sie einen Termin für ein Beratungsgespräch!

 

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