Mag. Michaela Neufeldt-Schoeller, Psychotherapeutin in Wien 18

Hilfe bei Adipositas

Wir haben Essstörungen, weil wir sie uns leisten können. Ganz besonders trifft das offensichtlich auf die Adipositas zu. Dass heute in den Industrieländern – und zunehmend auch bereits in den Schwellenländern – so viele Menschen übergewichtig beziehungsweise fettsüchtig sind, liegt am Überangebot von Nahrung und der sinkenden Bedeutung körperlicher Tätigkeiten im normalen Tagesablauf. Aber neben diesen kulturellen Faktoren und der heute als sicher geltenden Rolle, die erbliche Veranlagung bei der Entstehung einer Adipositas spielt, kommt dem individuellen Lebensstil natürlich immer noch große Bedeutung zu. Hier fließen psychische Faktoren und erlernte Verhaltensweisen mit ein, die ohne psychotherapeutische Intervention sehr oft nicht korrigierbar sind. Adipositas hat häufig etwas mit gestörter Impulskontrolle zu tun – und/oder mit der verfestigten Gewohnheit, negative Gefühle durch Essen zumindest zeitweise zu neutralisieren. Besonders trifft das auf die nicht selten einer Adipositas zugrunde liegende Binge Eating Disorder (weiterführender Artikel zu Binge Eating in „Wiener Initiative gegen Essstörungen„) zu, bei der, ausgelöst durch Gefühle von Angst, Wut, Zweifel, Wertlosigkeit oder Überforderung, Anfälle von Heißhunger auftreten, während derer ohne jedes Maß gegessen wird.

Die Adipositastherapie schließt daher fast immer eine Psychotherapie ein.

Adipositas ist Kompensation mit unkontrolliertem Essverhalten
Bei der Adipositas werden negative Gefühle wie Angst, Trauer oder Wut mit Essen kompensiert… (Foto: © fotoVISION360, Fotolia.com)

Hier geht es darum, dysfunktionale Gewohnheiten bewusst zu machen und aufzubrechen, Alternativen für den Umgang mit Stress und psychischen Belastungen zu erarbeiten und die neu erlernten, günstigeren Verhaltensweisen zu stabilisieren. Eine tiefenpsychologische Therapie kann zudem aus der persönlichen Geschichte resultierende Muster und Konflikte zuordnen helfen, die dafür verantwortlich sind, dass dem Essen eine so wichtige Rolle bei der Affektregulation zugewiesen wird. Nicht zuletzt kann eine Psychotherapie auch bei der Bewältigung der psychischen und sozialen Probleme helfen, die oft genug eine Folge der Adipositas sind.

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